300 Euro für die Besten - nationales Stipendiensystem verabschiedet
Gestern wurde das Vorzeigeprojekt Nummer eins auf dem Weg zur sogenannten Bildungsrepublik Deutschland verabschiedet: das nationale Stipendiensystem. Doch die Stimmung ist eher gedrückt.
Rund 10% der besten Studierenden in Deutschland sollen möglichst schon ab dem kommenden Wintersemester monatlich 300 Euro von Staat und Wirtschaft erhalten. Damit würde sich die Zahl der Stipendiaten geradezu verfünffachen. Denn bisher erhalten nur rund 2% ein Stipendium von den Stiftungswerken, überwiegend in Form eines Büchergeldes von 80 Euro. Um alle Stipendiaten gleichzustellen, soll auch deren monatliche Förderung auf 300 Euro ansteigen. Gerade unter den jetzigen Stipendiaten aber macht sich großer Unmut breit. Viele sprechen sich derzeit in gemeinsamen Stellungnahmen und online Petitionen gegen die Aufstockung der Förderung aus. Hintergrund dafür ist, dass Stipendiaten zu einem Großteil aus wohlhabenden Familien stammen. Sie möchten daher nicht zusätzlich von der nationalen Eliteförderung profitieren. Stattdessen sprechen sie sich dafür aus, die Gelder lieber an Studierende aus einkommensschwachen Familien zu geben bzw. das Bafög weiter zu erhöhen. Als Zeichen ihrer Ablehnung schlagen einige Stipendiaten sogar vor, die zu hohen Fördergelder in einen Fonds für Kinder einzuzahlen, deren Eltern ein Studium nicht finanzieren könnten. Mit gutem Beispiel geht hier schon die Universität Mannheim voran, die jedes Jahr den besten Studenten die Studiengebühren erlässt mit dem Wink, dieses Stipendium doch möglichst armen Kommilitonen zu überlassen. Erfahrungsgemäß verzichten tatsächlich aber nur etwa 9 von 154 Studenten auf das Stipendium. Den guten Worten der Stipendiaten sollten also nun auch Taten folgen.
