Großer Hochschulandrang noch bis 2025
Die Kultusminister Konferenz hat sich 2009 mächtig verschätzt in ihrer Prognose für die Entwicklung der Studienanfängerzahlen. Für 2011 liegt die Prognose um rund 100.000 Studierende daneben. Denn tatsächlich haben sich über 500.000 für den Beginn eines Studiums entschieden, erwartet wurden mit 420.000 aber deutlich weniger. Dabei sind weder die Aufhebung der Wehrpflicht noch der erste G8-Abiturjahrgang in2011 wie ‚Manna‘ vom Himmel gefallen, sondern schon seit einigen Jahren bekannt. Nicht bedacht wurde offenbar, dass sich grundsätzlich immer mehr Abiturienten gegen eine Ausbildung entscheiden und sich an der Hochschule mit einem Studium versuchen wollen. Auch aus dem Ausland kommen aufgrund der vergleichsweise geringen Kosten für ein Studium und den guten Einstiegschancen für Fachkräfte viele neue Studierende dazu. Dieser Trend wird auch weiter anhalten, so dass sich die Studienanfänger in den nächsten Jahren weiterhin gegenseitig das Uni-Leben schwer machen werden. Anders als ursprünglich prognostiziert, wird sich die Zahl der Studienanfänger nicht schon in 2015 wieder normalisieren, sondern frühestens 10 Jahre später in 2025. Bis dahin werden Studierende weiter kämpfen müssen, um einen Platz im Hörsaal, in der WG und im Stipendien-Programm. Vor allem letzterer dürfte noch mehr an Attraktivität gewinnen als bisher. Denn die Finanzierung der Hochschulen von Bund und Ländern ist natürlich auch an der falschen Studienanfänger Prognose festgemacht. Sprich, die Hochschulen erhalten nach jetzigen Berechnungen viel zu wenig Zuschüsse und werden nach neuen Finanzierungswegen suchen müssen. Da die meisten Studierenden nach dem Bachelor nicht ins Berufsleben starten, sondern den Master anschließen, sind die Studienplätze länger belegt als gedacht. Die Hochschulen sind also darauf angewiesen, neue Räumlichkeiten zu schaffen, um die große Studienplatz-Nachfrage auch nur ansatzweise bedienen zu können. Finanzierungslücken in Milliarden-Höhe tun sich hier plötzlich auf. Die Abschaffung der Studiengebühren in vielen Bundesländern tut ihr übriges dazu. Die SPD schlägt nun das Finanzierungsprogramm ‚Hochschulpakt Plus‘ vor, welches Geld für die kurzfristige Bereitstellung von 50.000 zusätzlichen Studienplätzen verspricht. Die neuen Studienplätze sind jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Studierende werden viel Street Cleverness beweisen müssen, um nicht in der Studentenflut an den Hochschule unter zu gehen und ihre Studienziele in angemessener Zeit erreichen zu können. Sie werden letztendlich die kurzsichtigen Entscheidungen der Politik ausbaden dürfen. Deutschland wird sich in Zukunft vermutlich deutlich schwerer tun, seinem einstigen guten Ruf in Sachen fundiertem, qualitativ hochwertigen Hochschulstudium gerecht zu werden. Die Politik hat sich mit ihrer Bildungsoffensive offenbar ein mächtig unüberlegtes Eigentor geschossen und kann die hohe Nachfrage an Studienplätzen kaum bedienen, geschweige denn bezahlen.
