Studienkredite können zur Privatinsolvenz führen – Bildungsfonds auch?
Im Gespräch mit dem Deutschlandradio hat Stefanie Laag, Kreditexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Studierende mit Geldbedarf zur Vorsicht gemahnt, wenn es um die Aufnahme von Studienkrediten gehe. Kein Student könne bei der Aufnahme des Kredites abschätzen, wie sich die Einkommenssituation darstelle, wenn das Studium beendet sei und die Rückzahlung beginne. Damit sei bei einer Studienfinanzierung mit einem Studienkredit überhaupt nicht sichergestellt, ob man sich die Rückzahlungsrate später überhaupt leisten könne. Daher sei es wichtig, Zinshöhe und –modalitäten genau zu prüfen, da diese über die Gesamtkosten bestimmten. Außerdem müsse genau geprüft werden, welche Finanzierungsbeträge überhaupt benötigt würden.
Im selben Gespräch wies der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, darauf hin, dass bei der staatlichen Studienfinanzierung mit BAföG die Rückzahlungsbeträge gedeckelt seien – bei einem privaten Studienkredit hingegen nicht. Zins und Zinseszins könnten schnell enorme Summen erreichen.
Beide Experten unterstreichen zu Recht das Problem, dass ein Studienkredit mit einkommensunabhängiger Rückzahlung nach dem Studium zu finanziellen Belastungen führen kann, die nicht mehr tragbar sein können – etwa dann, wenn Arbeitslosigkeit oder ein niedriges Einkommen den Berufsstart belasten. Im Extremfall kann dann eine Privatinsolvenz erforderlich sein, die ein schwerwiegender Eingriff in das Leben der Absolventen darstellt.
Allerdings ist dieses Risiko bei einer einkommensabhängigen Studienfinanzierung mit einem Bildungsfonds minimierbar. Denn bei dieser Finanzierungsart müssen weder Zinsen noch der ausgezahlte Betrag zurückgezahlt werden; vielmehr verpflichtet sich der Student, über einen definierten Zeitraum nach dem Berufsstart einen fixen Prozentsatz seines späteren Einkommens zurückzuzahlen. Das heißt: je weniger jemand nach dem Studium verdient, umso weniger muss er oder sie dann auch zurückzahlen! Bei einem besonders niedrigen oder bei fehlendem Einkommen muss keine Rückzahlung geleistet werden. Zwar stehen auch bei einer Bildungsfonds-Finanzierung die Gesamtkosten vorher nicht fest (da ja das spätere tatsächliche Einkommen erst im Nachhinein bestimmt werden kann), ähnlich wie bei vielen Studienkrediten. Aber das Risiko, dass die Rückzahlung die finanziellen Möglichkeiten übersteigt und damit eine Privatinsolvenz drohen könnte, ist bei einer Bildungsfonds-Finanzierung praktisch Null, sofern jemand keine weiteren Verpflichtungen aus anderen Kreditverträgen eingeht.
Gleichwohl muss auch eine Bildungsfonds-Finanzierung sorgfältig geplant werden; keineswegs darf mehr Finanzierung in Anspruch genommen werden, als wirklich benötigt wird. Und auf keinen Fall sollte eine Bildungsfonds-Finanzierung zusätzlich zu einem weiteren Studienkredit in Anspruch genommen werden – dann kann sich nämlich sehr wohl eine finanzielle Überlastung ergeben, worauf unsere Schwesterseite studienkredit.de schon hingewiesen hat
