Wer finanziert das neue Stipendiensystem?
Das neue nationale Stipendiensystem ist eigentlich beschlossene Sache. Wie genau die Umsetzung aussehen soll, scheint jedoch noch offen zu sein.
Geht es nach Bundesbildungsministerin Schawan, so soll das neue Stipendiensystem zeitgleich mit der Erhöhung des BaföG schon zum Wintersemester in Kraft treten. Neben immer lauteren Stimmen von Studierenden, die die zusätzlichen 300 Euro pro Monat ablehnen und vor einer noch stärkeren sozialen Selektion warnen, ist auch die Rückmeldung aus der Wirtschaft eher verhalten. Der BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber) lehnt finanzielle Zusagen zum gerade beschlossenen Stipendienprogramm laut einem Bericht des Handelsblatts ab. Rund 150 Millionen Euro sollten von Unternehmen beigesteuert werden, denn Bund und Wirtschaft müßten das Programm gemeinsam tragen. Problematisch ist dies nun vor allem für die Hochschulen. Da die Stipendien durch die Hochschulen vergeben werden sollen, müssen auch diese selbst die Spendengelder aus der Wirtschaft eintreiben. Liegt die Hochschule in einer wirtschaftlich eher schwachen Region, so ist dies nicht einfach. Neben der Akquise von Geldern muß auch deren Verwaltung und Vergabe bewerkstelligt werden. Ob in die Stipendienvergabe außer den Leistungen dann auch noch wie gefordert soziale, familiäre und persönliche Umstände einfließen können, bleibt offen. Denn über die Vergabe der Stipendien entscheidet die Hochschule frei. Die Sorge vor einem bürokratischen Monster für Hochschule und Länder ist schon heute groß. Wie das nationale Stipendienprogramm nun wirklich zur gesamtgesellschaftlichen Aufgaben werden kann, wird sich also erst noch zeigen müssen.
