Wintersemester 10/11-Start: So viele Studierende wie noch nie
Zum Start des Wintersemesters strömen 4% mehr Studienanfänger an deutsche Hochschulen als im Vorjahr. Doppelte Abiturjahrgänge und baldige Aufhebung der Wehrpflicht werden die Hörsäle zum Platzen bringen.
Die Hochschulen sind zu diesem Wintersemester mit mehr Studierenden konfrontiert als je zu vor. Rund 2,2 Mio. Studierende sind eingeschrieben, 46% der Abiturienten entscheiden sich für die Aufnahme eines Studiums. Natürlich war schon länger klar, dass in diesem Jahr mit einem doppelten Abiturjahrgang gerechnet werden muß, aber optimal vorbereitet ist die deutsche Hochschullandschaft scheinbar dennoch nicht auf die neue Situation. Hinzu kommen im nächsten Jahr auch noch rund 150.000 junge Männer, die z.T. ebenfalls einen Studienplatz benötigen werden, da die Wehrpflicht voraussichtlich zum 31. Juli 2011 ausgesetzt wird.
Während die Bundesbildungsministerin, Annette Schavan, ihre Hochschulpolitik in diesen Zahlen bestätigt sieht und den Ausbau um weitere 275.000 Studienplätze bundesweit bis 2015 ankündigt, stellen Hochschulen und Länder sich eher die Finanzierungsfrage. Denn nur, wenn vom Bund weitere Gelder fließen, wird man für die bevorstehende Studentenflut auch angemessene Ausbildungsbedingungen schaffen können. Weitere zwei Milliarden Euro zusätzlich stehen dafür derzeit im Raum. Ist dies nicht realisierbar, so werden die Hochschulen die Aufnahme neuer Studierender wohl eher weiter einschränken als ausweiten. Denn schon jetzt liegt der Fokus vieler Hochschulen aufgrund der schlechten finanziellen Situation eher auf Stellenabbau.
Einen Vorgeschmack auf die Auswirkung doppelter Abiturjahrgänge kann man schon in diesem Jahr bekommen. So stiegen die Studierendenzahlen bspw. am stärksten im Saarland (+13%), wo bereits in 2009 ein doppelter Abiturjahrgang zu verkraften war. Ebenfalls sehr stark gestiegen sind die Studierendenzahlen neben Berlin auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Den beiden bevölkerungsstärksten Bundesländern steht dabei der doppelte Abiturjahrgang erst noch in 2011 bevor. An vielen Hochschulen in den neuen Bundesländern sowie auch in Hamburg bleiben Studienplätze frei, während anderswo die Hörsäle aus allen Nähten platzen dürften. Damit die Studierenden auch tatsächlich dem bevorstehenden Fachkräfte-Mangel entgegenwirken können, müssen sich also die Studienbedingungen unter den neuen Gegebenheiten noch deutlich bessern.
Weitere Statistikdaten zu den Studierendenzahlen WS 2010/11
