Die nur fast perfekte Karriere

Top-Noten, schneller Studienabschluß und dazu eine Hand voll Praktika in renommierten Firmen. So stellen sich Studierende den idealen Studienverlauf für beste Karrierechancen vor. Doch was macht Absolventen wirklich erfolgreich?
Studierende fragen sich immer früher, was ihrer Karriere dienlich sein könnte. Ein Puzzle-Stück nach dem anderen wird abgearbeitet, um den Lebenslauf auf Erfolgskurs zu trimmen. Bestnoten im Bachelor-Studium, jede Semesterferien ein möglichst hochkarätiges Praktikum, ein exotischer Auslandsaufenthalt in der Ferne und idealerweise nebenbei noch die Bekleidung eines Ehrenamtes – die Komposition des scheinbar perfekten Lebenslaufs. Doch trotz der ganzen Disziplin und optimierten Vorbereitung auf den Berufseinstieg will dieser vielen nicht gelingen. Klaus Werle, Redakteur beim Manager Magazin, zeigt in seinem Buch ‚Die Perfektionierer‘ auf, warum ‚Karriere machen‘ für junge Leute heute so schwierig ist. Zu gleichförmig erscheinen die Werdegänge der Absolventen. Grund dafür könnte die zu starke Ausrichtung der Studierenden an den möglichen Erwartungen anderer sein. Die Schärfung des eigenen Profils bleibt vor lauter Optimierung jedenfalls ziemlich auf der Strecke. Viele Studierende hören zu wenig in sich rein, probieren immer weniger aus und ignorieren vor allem ihre wahren Talente. Oftmals orientieren sich die Karrierepläne sogar ausschließlich an dem, was andere sagen. Man versucht, sich möglichst breit aufzustellen, um für alle denkbaren beruflichen Anforderungen gewappnet zu sein, damit einer Karriere nichts im Wege steht. Doch wie genau sehen eigentlich die eigenen Karriereziele aus? Vielfach besteht hierüber gar keine Klarheit. Neben der vagen Vorstellung von den wirklichen individuellen Zielen behindert noch ein weiterer Faktor den beruflichen Erfolg: Studierende werden das halbe Studium über darauf trainiert, möglichst viel Stoff aufzunehmen und in den Klausuren zu reproduzieren. Die später im Berufsleben so wichtige Fähigkeit, selbst denken zu können, und die eigene Kreativität verkümmern geradezu. Schon im Bewerbungsgespräch machen den Absolventen dann erste Fallstudien schwer zu schaffen. Viele scheitern, obwohl es hierbei kein richtig und falsch gibt, weil sie nicht in der Lage sind, eigene Ideen einzubringen.
Jeder Studierende würde als gut daran tun, sich trotz der ganzen Anforderungen an der Hochschule wieder etwas mehr als Unternehmer in eigener Sache zu sehen, der sich für seine eigenen Fähigkeiten und Stärken einsetzt, sich selbst verkauft und mutig neue Wege beschreitet. Wer sich nur in der sicheren Komfortzone bewegt und sich dem anpaßt, was die Mehrheit der anderen für richtig hält, der wird eher zuschauen müssen, wie andere ihre Erfolge feiern.
