Muss ich bei einer Bildungsfonds-Finanzierung eigentlich mehr zurückzahlen, als ich bekommen habe?
Im Unterschied zu einem Studienkredit muss man bei einer Bildungsfonds-Finanzierung grundsätzlich nicht die geliehene Summe plus Zins und Zinseszins zurückzahlen. Man verpflichtet sich stattdessen, nach dem erfolgreichen Berufsstart (also erst dann, wenn auch wirklich ein Einkommen erzielt wird), über einen im Voraus fixierten Zeitraum einen im Voraus fixierten Prozentsatz des dann erzielten Gehalts zurückzuzahlen. Anzahl der Monate und Prozentsatz werden unverrückbar fixiert und können nach Vertragsbeginn nicht mehr verändert werden. Doch wie werden Zeitraum und Prozentsatz kalkuliert? Muss man bei einer solchen Finanzierung auch mehr zurückzahlen, als man erhalten hat?
Das kommt darauf an, wie viel man später verdient. Der Vertrag wird natürlich zunächst grundsätzlich und immer so kalkuliert, dass der finanzierte Student mehr zurückzahlen soll bzw. wahrscheinlich wird, als er nominal bekommen hat. Anders wäre das (rein privatwirtschaftliche) System ja gar nicht finanzierbar: wer sollte ohne Aussicht auf Ertrag Geld verleihen? Schließlich nagt ja allein die Inflation am Wert des geliehenen Geldes über die Finanzierungsdauer – und die ist lang: vier Jahre Auszahlung und sechs bis acht Jahre Rückzahlung ergeben mindestens eine zehnjährige Finanzierungsdauer, im Einzelfall auch noch viel länger.
Die Kalkulation basiert nun meist auf einer Vielzahl von makroökonomischen, studienbezogenen und auch in der Person des Studierenden liegenden Faktoren. Es wird also jeder Einzelfall individuell kalkuliert – dadurch wird sichergestellt, dass nicht systematisch der eine Student den anderen quersubventionieren muss, etwa, weil der eine in einem Studiengang absolvieren wird, der höhere Einstiegsgehälter verspricht als der andere. Eine Quersubventionierung findet also nicht statt: der Erwartungswert der Rückzahlungen ist bei allen Studierenden absolut identisch, völlig unabhängig vom späteren Einstiegsgehalt. Deshalb kann das Finanzierungssystem auch auf jeden Fall als gerecht bezeichnet werden.
Also muss man bei einer Bildungsfonds-Finanzierung jetzt immer mehr zurückzahlen, als man erhalten hat? Eben nicht unbedingt. Denn auch wenn der Vertrag zunächst so kalkuliert wird, dass immer ein Überschuss erzielt werden soll, werden Prozentsatz und Zeitraum nicht verändert. Wenn also ein Absolvent nach dem Studium deutlich weniger verdient als der Durchschnitt bzw. als nach der Einschätzung bei der Bewerbung hätte erwartet werden können, dann zahlt er eben auf dieser deutlich niedrigeren Basis zurück – und damit (u.U. weitaus) weniger, als er nominal erhalten hat. Natürlich würde das System zusammenbrechen, wenn das bei einer Vielzahl der Fälle vorkommen würde.
Aber im Einzelfall ist der oder die einzelne Studierende eben maximal geschützt: wenn er oder sie weniger verdient, ist eben auch die (absolute) Rückzahlungsbelastung geringer. Übrigens ist bei einem exorbitant hohen Einkommen die maximale Rückzahlung gedeckelt; man muss also nicht unendlich viel zurückzahlen – auch wenn sich bei der Höchstrückzahlung eine Kapitalleistung ergeben kann, die oberhalb von der von Dispositionskrediten liegt. Damit wird das Risiko kompensiert, was für den Fonds in der reinen Einkommensabhängigkeit begründet liegt.
Darüber hinaus wird bei langer Arbeitslosigkeit und Bedürftigkeit die komplette Rückzahlung erlassen – auch das im krassen Unterschied zu der Praxis bei einem Studienkredit, bei dem es oftmals Rangeleien mit der Bank gibt, wenn die Rückzahlung nicht wie geplant erfolgt (siehe etwa hier) . Bei einer Bildungsfonds-Finanzierung ist die Rechnung einfach: wird in einem Monat nach dem Studienabschluss kein Einkommen erzielt, muss eben in diesem Monat auch nicht zurückgezahlt werden. Die Rückzahlung verschiebt sich dann einfach nach hinten. Ein Vorteil, den man mit keinem noch so niedrigen Zinssatz bei einem Studienkredit aufwiegen kann.

