„Studiengebühren-Stausee“: Alles muss raus, aber dalli

NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart hat vier Hochschulen gerügt, weil sie Einnahmen aus Studiengebühren nicht ausgegeben haben, obwohl diese eigentlich in die Lehre investiert werden müssten. Das Ministerium gab die klare Direktive: das Geld muss raus und wird ansonsten vom Ministerium verteilt. Zu welch kuriosen Situationen das hektische Geldausgeben führt, konnte man an der Hochschule Niederrhein verfolgen, die auf nicht benötigten 6,5 Mio. EUR Einnahmen aus Studiengebühren saß – bis das Ministerium zum Ausgeben aufforderte. Und die Hochschule gab dann aus.
Nach einem Bericht auf Spiegel Online habe ein Maschinenbau-Professor Anfang Juni vor seinen Studenten im Hörsaal gestanden und verkündet, dass er nun 800.000 EUR ausgeben solle, von jetzt auf gleich, und noch gar nicht wisse, wie. Das viel berüchtigte „Dezemberfieber“ grassiert dieses Jahr also schon im Juni. Als „Dezemberfieber“ wird das hektische und fieberhafte Ausgeben bisher nicht verwendeter Budgetgelder im Dezember angesetzt – nur, damit das Geld weg ist und im nächsten Jahr das Budget nicht gekürzt wird. So werden normalerweise zum Jahresende Laborgeräte, neue Schreibtischstühle oder andere größere Ausgaben getätigt; ob dies immer sinnvolle Ausgaben sind, mag dahin gestellt sein.
An der Hochschule Niederrhein sei nun das Junifieber ausgebrochen: bis in die späten Nachtstunden wurde an einem Dienstag im Juni beraten, wie das Geld schnell ausgegeben werden könne. Profitieren würden nun vor allem die Labore der Chemie und die Fachbereiche Verfahrenstechnik, Robotik und instrumentelle Analytik.
Der Vorschlag der Studenten an der Hochschule Niederrhein, doch einfach die Gebühren zu halbieren, wenn man nicht wisse, wie man das Geld sinnvoll ausgeben solle, fand übrigens keinen Widerhall, wie Spiegel Online berichtete. Weitere vom Ministerium aus denselben Gründen gerügte Hochschulen waren Bielefeld, Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen und Ostwestfalen-Lippe. Die wurden ihr Geld aber offenbar rechtzeitig los oder konnten es für andere Projekte verplanen.
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