Praktikum im Investmentbanking gefragt wie nie

Investmentbanker sind die letzten Monate durch Negativschlagzeilen aufgefallen. Warum ist die Branche für Studenten dennoch weiterhin so attraktiv?
Investmentbanking steht stärker in der Kritik als je zu vor. Gesellschaft und Politik appellieren um die Wette an die Moral und schelten die Finanzbranche. Doch die Studierenden scheint dies nur wenig zu beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Einzelne Investment-Häuser scheinen durch die starke Medienberichterstattung erst recht als potentieller Arbeitgeber bekannt und attraktiv zu werden. Über mangelnde Nachfrage nach Praktikanten und Trainees können sich die Banken jedenfalls nicht beklagen. Investmentbanking ist derzeit bei Studierenden offenbar gefragter denn je. Die Aussicht auf internationale und inhaltlich anspruchsvolle Projektaufgaben, der leichte Zugang zu den Führungsetagen der Konzernwelt sind verlockend. Am meisten dürfte jedoch die Aussicht auf ein überdurchschnittlich hohes Einkommen ins Gewicht fallen. In geradezu unschlagbar kurzer Zeit könnten die Ausgaben fürs Studium wieder drin sein, auch die erste Million scheint zum greifen nah. Schließlich werden bei den Großbanken schon für ein Praktikum mehrere tausend Euro gezahlt, Einstiegsgehälter liegen in der Regel weit über der 50.000-Euro-Marke. Das berühmt-berüchtigte Arbeitspensum und das raue Arbeitsklima eines Investmentbankers wird dafür anscheinend gerne als „sportliche Herausforderung“ angenommen, zur Not auch auf Kosten von Gesundheit, Familie und Freundeskreis. Immer mehr jungen Berufseinsteigern macht der Druck dann allerdings doch mehr zu schaffen als gedacht, Drogenkonsum, Burnout-Syndrom vor Erreichen des 30. Lebensjahrs und sogar Herzinfarkt sind keine Seltenheit in der Branche. Ob dafür am Ende wirklich Millionen verdient werden (können), bleibt offen.
- Quelle: FAZ Beruf & Chancen 9.5.2010
