Alumni finanzieren Studierende ihrer Hochschule

Bei immer mehr Studierenden setzt sich der Alumni-Gedanke durch: man kehrt „seiner“ Hochschule nach dem Studium nicht mehr einfach den Rücken zu, sondern bleibt ihr weiterhin verbunden, fühlt sich ihr verbunden. Das kann sogar so weit gehen, dass man die aktuellen Studierenden tatkräftig und auch finanziell unterstützt. In Deutschland gibt es einen Vorreiter für diesen Gedanken: exebs e.V., der Verein der Ehemaligen der European Business School International University Schloss Reichartshausen, finanziert die Studierenden der EBS seit Jahren mit dem exebs-Bildungsfonds.
Dabei erhalten jedes Jahr eine bestimmte Zahl von Studierenden, die Unterstützung bei der Finanzierung der Studiengebühren an der EBS benötigen und sich durch besondere Leistungsfähigkeit hervortun, die Studiengebühren vom exebs-Bildungsfonds bezahlt. Nach dem Berufsstart leisten sie dann eine einkommensabhängige Abgabe und finanzieren so das System. Das Kapital für den exebs-Bildungsfonds, immerhin schon etliche hunderttausend Euro, wurde aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Alumni aufgebracht.
In den USA gibt es ein weiteres Modell, das sich drei Harvardabsolventen ausgedacht haben: auf www.unithrive.org ist es möglich, gezielt einzelnen Harvard-Studenten mit finanziellen Mitteln auf Darlehensbasis unter die Arme zu greifen, mit denen sich der Kapitalgeber persönlich verbunden fühlt, etwa, weil der Studierende und der Kapitalgeber aus derselben Stadt kommen oder dasselbe Fach studieren. Das Besondere: die Darlehen werden zinsfrei vergeben (das bedeutet auch, dass die Alumni keine Rendite erhalten, wie es auch beim exebs-Bildungsfonds der Fall ist), und der Student erhält das Kapital nie direkt in die Hände, sondern es wird immer direkt an die Hochschule überwiesen. Man kann damit also nur Studiengebühren finanzieren. Unithrive ermöglicht auch keine risikofreie einkommensabhängige Rückzahlung wie beim exebs-Bildungsfonds, sondern die Studierenden müssen innerhalb von fünf Jahren nach dem Studienabschluss in fixen Beträgen zurückzahlen. Dafür gibt es eine persönliche Beziehung zwischen Kapitalgeber und Studierendem, was beim exebs-Bildungsfonds nicht der Fall ist.
Der exebs-Bildungsfonds und unithrive.org sind zwei ähnliche, im Detail aber doch sehr unterschiedliche Antworten auf ein und dieselbe Frage: wie kann sich ein Absolvent für seine Hochschule und deren aktuelle Studierenden engagieren und dabei einen Teil der Früchte seiner eigenen Arbeit weitergeben?
