Bildungsstipendien in NRW sollen Leitbild für Deutschland werden
In NRW sind zum Wintersemester 2009/2010 rund 1.400 Studierende in den Genuss von Bildungsstipendien in Höhe von 300 EUR pro Monat gekommen, die zur Hälfte vom Staat, zur Hälfte von privaten Geldgebern finanziert werden (wir berichteten: Artikel )Dieses Modell wurde jetzt in den Koalitionsvertrag der neuen schwarz-gelben Bundesregierung als Leitbild für ganz Deutschland aufgenommen. Ob das funktionieren kann.
Das wird sich erst noch zeigen müssen. Denn die schwarz-gelbe Koalition möchte ein Stipendien-System für die besten zehn Prozent der Studierenden installieren, das ebenfalls zur einen Hälfte vom Staat (Bund und Länder) und zur anderen Hälfte von privaten Unternehmen gespeist wird. 300 EUR im Monat für die besten zehn Prozent der Studierenden, und zwar ohne BAföG-Anrechnung und ohne Berücksichtigung des Einkommens und/oder Vermögens der Eltern – also ein rein leistungsabhängiges Modell.
Verantwortlich für das Einwerben der Unternehmensspenden sollen die einzelnen Hochschulen sein. Das bedeutet, dass diejenigen Studierenden schlechte Karten haben dürften, die an einer Hochschule in einem wirtschaftsschwachen Raum ohne zahlungsstarke Unternehmensspender studieren, da sie leer ausgehen dürften. Andererseits wäre sicherlich positiv an dem Modell, dass es die Hochschulen unter Wettbewerbsdruck setzt: denn wenn eine Hochschule kein oder nur ein schlechtes fundraising hat, dann könnte sie keine Stipendien anbieten und verlöre damit an Attraktivität.
Leider ist auch noch offen, welche Stelle wie entscheiden sollte, wer zu den besten zehn Prozent der Studierenden zählt. Die Abiturnote als Maßstab? Gar eine zentrale Vergabestellt? Viele Details sind also noch nicht geklärt.
Der Haken an der Sache: das Modell steht bislang nur auf dem Papier. Zwar hat die neue Bundesregierung das Thema „Bildung“ zu einem der wichtigsten erklärt („Bildungsrepublik Deutschland“). Ob aber die fiskalpolitische Realität die Pläne umsetzbar erscheinen lassen, bleibt abzuwarten – ebenfalls bleibt abzuwarten, was die nächsten Landtagswahlen an Ideen aus dem Koalitionsvertrag überleben lassen.
